Der Morgen
Lautstark „Frohe Weihnachten!!“ rufend weckt mein Vater mich um kurz nach neun. Verschlafen antworte ich: „Moagn, is noch ga nich Weihnachten… Is Heiligabend… oder vielmehr Heiligmorgen…“ und will mich noch mal umdrehen, aber mein Vater kennt kein Erbarmen und zieht mir die Decke weg. Da kommt auch schon mein Bruder rein, bewirft mich mit Gummibärchen (!) und quietscht mit seltsam verstellter Stimme: „Guten Moooorgen!“ „Womit hab ich das verdient…?“, denke ich mir und stehe auf…
Der Nachmittag
Meine Mutter hat sich nach dem Essen etwas hingelegt. Sie muss über die Weihnachtstage arbeiten und ist von ihrem Morgendienst kaputt. Ich versuche währenddessen, endlich in Weihnachtsstimmung zu kommen und versuche, meinen Vater und meinen Bruder zum Weihnachtslieder singen zu animieren.
Wo sind denn die CDs mit den Weihnachtsliedern hingekommen? Nach einigen Minuten Durchsuchen der CD-Sammlung meines Vaters finde ich sie endlich: Eine CD mit swingenden, zwar gut klingenden, aber relativ unbekannten Stücken, zwei CDs mit rockigen Weihnachtsliedern und eine CD mit Kinderchören, die Klassiker. Mein Vater hat keine Lust, die rockigen Lieder zu singen und so probieren wir eben die klassischen Weihnachtslieder. Ein Buch mit den Texten findet sich auch noch und so fangen wir an.
Schnell stellen wir fest, dass die Stimmlagen der meisten Stücke viel zu hoch für uns sind und versuchen es ohne CD. Mein Vater singt sowieso nur einige Textpassagen mit und mein Bruder brummt mit viel zu tiefer Stimme. Nach drei Liedern hat er keine Lust mehr und verlässt den Raum, um sich wieder seinem PC zu widmen. So singe ich dann alleine noch ein paar Lieder und mein Vater hört zu… und nickt ein… wird wieder wach, um mich kurz anzusehen und dann wieder einzunicken… Naja, was soll’s? Singe ich halt noch ein wenig für mich selbst als Vorbereitung für die Christmette…
Die Bescherung
Mein Bruder und ich sitzen im Wohnzimmer und lesen. Meine Mutter ist inzwischen wieder aufgestanden und will die Geschenke holen. Sie kommt mit einem großen Koffer herein und ist entsetzt, dass wir im Wohnzimmer sitzen. Wir sollen doch schließlich nicht mitbekommen, wie die Geschenke unter den Weihnachtsbaum kommen… Wir wollen allerdings nicht rausgehen und bleiben sitzen. Schließlich lässt sie sich dazu überreden, die Geschenke einfach unter den Baum zu legen, da wir ja längst wissen, dass die nicht vom Weihnachtsmann oder Christkind kommen und wir also genau so gut da bleiben können.
Der Abend
Die Zeit bis zur Christmette vertreiben wir uns damit, ein paar Folgen der Dittsche-DVD anzusehen, die mein Vater gerade bekommen hat. Viel zu spät, um noch einen Sitzplatz in der Kirche zu bekommen, gehen mein Bruder und ich los. Meine Mutter kommt nicht mit, da sie am nächsten Morgen wieder früh aufstehen und arbeiten muss und mein Vater hat keine Lust, drei Stunden lang in der Kirche zu stehen.
Macht nichts, denn es ist ja auch so schon viel zu voll und die Luft dementsprechend stickig… Und trotz der Bemühungen meines Nachbarn, ein Fenster zu öffnen, verlässt ein Mann mitten im Gottesdienst leise fluchend den Weihrauch geschwängerten Raum…
Mich stört das alles jedoch nicht, denn ich bin froh, dass sich auch bei mir jetzt endlich etwas Weihnachtsstimmung einstellt.
Frohe Weihnachten!