Archiv für die Kategorie ‘Alles und Nichts’

Ui, ein Nachtrag

Dezember 20, 2006

Sempai und ich sind uns einig: Der Begriff Uni wurde bisher völlig unterbewertet.
Er ist nämlich nicht nur die Abkürzung für Universität, sondern muss vielmehr U ‘n’ i gelesen werden, ähnlich wie Rock ‘n’ Roll. Diese Lesart trifft den Kern der Universität genau, denn dieser besteht aus Allem und Nichts, dem (schon früher beschriebenen) U und I.

Wieso ist Uni alles und gleichzeitig nichts? Eigentlich könnte Sempai das besser erläutern, aber ich versuche mal, einen kleinen Eindruck davon zu geben:

„Universitäten (vom lateinischen Wort universitas, Gesamtheit) sind Hochschulen, die die Wissenschaften in Forschung, Lehre, Studium und Ausbildung in den eher nichttechnischen Fächern vertreten, in systematischer Ordnung lehren sowie Bildungsinhalte und Berufsqualifikationen mit den jeweils höchsten Ansprüchen ihres Geltungsbereichs ihren Studenten vermitteln sollen.“ (Wikipedia)

Laut dieser Definition soll der gemeine Student also durch das Studium an der Universität erstens dazu befähigt werden, (ausreichend Zeit vorrausgesetzt) alles zu lernen, was die Wissenschaft bis dato zu bieten hat (Gesamtheit).
Tatsächlich beschäftigt sich er sich aber nur mit einem relativ kleinen Fachgebiet, das er mehr oder weniger intensiv studiert. Meistens eher weniger, da ihn finanzielle Gründe zu einem schnellen Studienabschluss zwingen. (Gelegentlich sollen auch schlichtweg faule Exemplare gesichtet worden sein, die sich unverständlicherweise weigern, ihren gesamten Lebensinhalt dem Studium zu widmen.)

Zweitens soll das Studium einer systematischen Ordnung folgen, die vielleicht in der Studienordnung beschrieben wird, aber selten in der Praxis Anwendung findet. Dies soll der Selbstständigkeit und Eigenverantwortung des Studenten dienen und ihn befähigen, sein Studium selbst sinnvoll zu strukturieren. Leider muss er sich dabei aber immer dem Vorlesungsverzeichnis beugen, das nicht selten alle Lehrveranstaltungen parallel legt. Noch bedauernswerter ist, dass ihm keine Zeitumkehrer wie bei Harry Potter zur Verfügung stehen…

So muss man sich fragen, ob dieser Mangel an Gesamtheit und systematischer Ordnung noch den oben hervorgehobenen höchsten Ansprüchen genügt. Zumal oft genug zwar höchste Ansprüche an den Studenten gestellt werden, er solche jedoch nicht automatisch auch an die Dozenten stellen kann.
Da kann es schon mal passieren, dass er jahrelang fleißig studiert und am Ende keinen Prüfer findet. Oder er findet einen Prüfer, doch dieser ändert ständig das geplante Prüfungsthema, weil auf einmal irgendwelche Einwände auftauchen, an die er unmöglich schon etwas früher hätte denken können. So heißt es dann zumindest… Und der durch das Studium zur Autonomie erzogene Student hat keine andere Wahl, als sich den mehr oder weniger durchdachten Plänen seines Prüfers zu fügen.

Schlussendlich bleibt dem Studenten dann nicht viel vom Studium übrig, wenn man ihm das zähe Sitzfleisch und die beachtlichen Kopierkenntnisse wohlwollend anrechnet, also eigentlich nichts.

Ui ui ui

November 13, 2006

„Ui!“ – Ein Ausruf des Erstaunens und das zurecht, wie mir scheint. Denn was wir oft so unbedacht daher sagen, ist von weit höherer Bedeutung, als uns klar ist. In diesen zwei schlichten Buchstaben liegt tatsächlich ALLES und NICHTS.

Natürlich stammt ein solch grundlegender Begriff aus dem Buddhismus und ist in seiner ursprünglichen Schreibweise auch im japanischen Iroha enthalten: 宇為 (heute: 有為). Ui bedeutet in etwa „alles Sein und Tun“ und wird manchmal auch mit Transzendenz – etwas, das weit über alle Limits hinaus geht – übersetzt. Somit ist Ui also eigentlich unbeschreiblich und seine wahre Bedeutung lässt sich vielleicht nur erahnen, wenn wir uns ansehen, wie dieser Begriff noch verwendet wird:

„Der UEFA Intertoto Cup, meist kurz als „UI-Cup“ bezeichnet, ist ein europäischer Fußballwettbewerb. Vereine, die in der lokalen Meisterschaftsaison die direkte Qualifikation für den UEFA-Pokal knapp verpasst haben, erhalten über den UI-Cup die Möglichkeit, doch noch am UEFA-Pokal teilzunehmen. Auf Grund dieser letzten Chance wird er umgangssprachlich auch „Strohhalm-Cup“ genannt.“

Der Ui-Cup als „Strohhalm-Cup“. Der letzte Strohhalm, an den man sich noch klammern kann. Es geht um alles oder nichts. Eine passendere Abkürzung als Ui ließe sich doch gar nicht finden. Zufall?

In Sindarin, der von J.R.R. Tolkien erfundenen Sprache der Grauelben, bedeutet Ui als Substantiv „Hülle“ und als Präfix „ewig“.

Ui, die ewige Hülle. Dies lässt sich gleichsetzen mit dem ewigen Kreislauf des Samsara, dem alle Buddhisten entkommen wollen. Auch hier passt der Begriff Ui also ganz genau. Hat Tolkien das gewusst? Ich weiß es nicht…

Ich staune lediglich und sage: „Ui…“