Archiv für April 2007

Freinacht

April 30, 2007

Heute abend war ich joggen. Das ist nichts ungewöhnliches und soll auch nicht das Thema dieses Eintrags werden, aber es ist gewissermaßen der Auslöser dafür. Als ich nämlich schon fast wieder zu hause war, kamen mir drei Jungs im Alter von sieben bis acht Jahren entgegen. Sie tuschelten und machten sich am Gartentor meiner Nachbarin zu schaffen. Was sie da taten, konnte ich nicht sehen, aber als ich näher kam, ließen sie plötzlich von dem Tor ab und gingen weiter. Dabei hörte ich noch folgende Worte: „Ist doch egal. Ist doch Freinacht!“ Aha, Freinacht… Der Begriff ist doch vorhin schon im Radio immer wieder gefallen. Bis vor einem Jahr war mir dieses Wort noch völlig unbekannt und bis jetzt habe ich nicht weiter gefragt, was es bedeutet, doch nun bin ich neugierig geworden.

Vor einem Jahr bin ich am Morgen des 1. Mai nichtsahnend nach draußen gegangen und habe mich ziemlich gewundert, als ich mit Klopapier und Rasierschaum verzierte Autos sah. Auch Briefkästen und Türen waren über Nacht besprüht und beklebt worden. Erst später habe ich erfahren, dass dieser Schabernack ein Brauch ist, den man in der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai treibt. Ich als Hamburger Fischkopp wusste zuvor nur vom Tanz in den Mai, den man in dieser Nacht feiert.

Heute nacht ist es also wieder soweit und nun möchte ich doch genauer wissen, was es mit der Freinacht auf sich hat. Also schnell mal gegooglet und ein paar Wissenswertigkeiten herausgefunden:

Die Freinacht war in der Vergangenheit den ledigen Burschen vorbehalten, die sich einen Spaß daraus machten, Gartentüren und -tore auszuhängen und woanders zu deponieren oder Blumentröge, Hausbänke, nicht abgeschlossene Fahrräder usw. zu „verziehen“ oder mit Gartenmöbeln aus diversen Vorgärten neue Ensembles auf dem Kirch- oder Dorfplatz zu gestalten. Sehr beliebt war es auch, eine „Spur“ von „ihm“ zu „ihr“ zu legen. Entweder verwendete man dafür Sägemehl oder malte als Verbindung zwischen den beiden Häusern einen weißen Farbstrich auf die Straße, der – zum großen Bedauern der Betroffenen – weit über den 1. Mai hinaus hielt. Solche Lektionen waren für die beteiligten Parteien in der Regel schwer zu verkraften, vor allem, wenn die Beziehung noch nicht öffentlich war. Manchmal nutzten die Jugendlichen die Freinacht auch dafür, Ereignisse aus dem Gemeindeleben oder die verantwortlichen Lokalpolitiker zu karikieren. So wurden z. B. Ortsschilder mit Spottnamen überklebt oder an den Rathäusern Transparente mit frechen Versen angebracht. (Quelle: Heimat Bayern)

Die Herkunft dieses Brauchs ist jedoch nicht eindeutig festzustellen:

Die Herkunft all dieser Bräuche ist so verwirrend und vielfältig wie diese selbst: Im Kalender der Kelten, der nur zwei Jahreszeiten kannte, war der 1. Mai der Übergang vom Winter zum Sommer – ein Anlass für wilde Feste und schaurige Blutopfer. Die Germanen wollen in dieser Nacht ihre Göttin Freia beobachtet haben, wie sie mit Wotan den Frühling zeugte.

In christlicher Zeit hat die Volksheilige Walburga (oder Walpurgis) der Freia den Rang abgelaufen: Die um 710 in England geborene Äbtissin des Klosters Heidenheim in Franken galt als Beschützerin vor Zauberpraktiken und bewahrte Mensch und Vieh vor den Umtrieben der Hexen. Termin ihrer Heiligsprechung: Der 1. Mai.

Das Umschlagen von Hexenzauberkult in profanen Schabernack dürfte ein weltlicher Termin befördert haben: Vor der Musterung und dem Beginn des Militärdienstes am 1. Mai war jetzt die letzte Gelegenheit, unbeschadet über die Stränge zu schlagen. (Quelle: BR-online)

Daneben liest man aber auch immer wieder von einem Ausarten der Freinacht und daraus hervorgehenden Sachbeschädigungen. Mal sehen, wie es morgen auf den Straßen aussieht. Ich bin gespannt…

Bodhidharma das Brot?

April 15, 2007

Ich las gerade nichtsahnend den Schnellkurs Japan von Dumont, als ich im Kapitel über Buddhismus eine spannende Entdeckung machte:

 

Ich fand eine Abbildung, die Bodhidharma zeigte. Soweit noch nichts ungewöhnliches, aber während ich die Bildunterschrift las, kam mir ein verrückter Gedanke in den Sinn. Dort stand, dass der indische Mönch Bodhidharma (japanischer Name Daruma) 527 n. Chr. in China jahrelang vor einer Wand versunken meditierte.

Versunken… vor einer Wand… Wand!? Ich schaute mir das Portrait noch einmal an. Die Augen des Daruma, die tiefe Stirnfalte… Das kam mir irgendwie bekannt vor. Bestand da nicht eine gewisse Ähnlichkeit mit Bernd das Brot? Ist Bernd das Brot eine Reinkarnation des Daruma? Vergleicht selbst:

Bernd das Brot Daruma

Ja gut, die Ähnlichkeit muss jetzt noch nichts heißen, aber was ist die Lieblingsbeschäftigung von Bernd das Brot? Richtig! Er starrt seine Rauhfasertapete an, mit anderen Worten, seine Wand!! Also wenn das jetzt mal kein Zufall ist…

Außerdem ist überliefert, dass Daruma während seiner Meditation vor der Wand Arme und Beine verlor. Dies ist der Grund für die extremitätenlose Gestalt der japanischen Glücks-Daruma, die sich großer Beliebtheit erfreuen.

Könnte es auch der Grund für Berndis fehlenden Arme und Beine sein? Schließlich hat er nur Hände und Füße…

Und erinnert ihr euch an seinen verzweifelten Versuch, aus dem Fernseher zu laufen, aber jedesmal wenn Bernd auf der einen Seite den Bildschirm verließ, tauchte er auf der anderen Seite wieder auf? Ein Hinweis auf den ewigen Kreislauf der Wiedergeburt?? Versucht Bernd das Brot diesem durch Wandmeditation zu entfliehen, wie er es vor fast 1500 Jahren schon einmal als Bodhidharma gemacht hat??? Schon möglich oder…?

Camping-Romantik

April 10, 2007

Ostern auf dem Campingplatz. Das machen wir schon seit Jahren. Eigentlich meine ganze Kindheit lang und dieses Jahr natürlich auch. Unser Wohnwagen steht auf einem Campingplatz in der Lüneburger Heide, nahe Soltau, umgeben von hohen Kiefern, die bis hoch in die Kronen kahl sind, mindestens einen Ast haben, der im Winter unter Schneelasten ächzend die darunter stehenden Wohnwagen bedroht, und trotzdem nicht gefällt werden dürfen, weil sie unter Naturschutz stehen. Hier suchen Dauer- und Durchgangscamper Ruhe und Erholung in der Natur ohne übermäßigen Schnickschnack.

Naja, das mit dem Schnickschnack hat sich über die Jahre gewandelt. Immer mehr Plätze werden mit allem erdenklichen Tüdelkram ausgeschmückt und Gartenzwerge sind da noch die zurückhaltendsten Dekorationsobjekte. Während auf der einen Seite eine Eisenbahn lediglich den ganzen Platz umrundet, entstehen auf der anderen Seite ganze Miniaturdörfer inklusive See und Seilbahn.

Was die aktuelle Wohnwagenmode angeht, scheinen die seit dem Pappschnee-Winter vor ein paar Jahren weit verbreiteten Überdach-Konstruktionen aus Aluminium und PVC durch Holzverkleidungen ersetzt zu werden. Oft wird gleich die gesamte Wohnwagen-Vorzelt-Kombination in Holz gehüllt, so dass aus Camping eher Schrebergarten wird.

Die größte Neuerung erfährt die Camping-Idylle jedoch ein paar Meter außerhalb des Campingplatzes. Auf den Landstraßen stehen an mehreren Stellen Wohnmobile. Sie würden nicht weiter auffallen, wenn nicht Neonröhren und leuchtend rote Herzen in ihren Fenstern blinkten. Manchmal sieht man eine leicht bekleidete Frau rauchend hinter dem Steuer sitzen und warten. Manchmal steht ein Auto bzw. LKW neben dem Wohnmobil und die Rolläden sind heruntergezogen. Aber was dann im Inneren vor sich geht, kann man sich auch so schon denken. Scheinbar sind die Landstraßen zur Reeperbahn Niedersachsens geworden und verleihen dem Begriff der „sündigsten Meile der Welt“ eine neue Bedeutung, wobei hier wohl eher von Meilen gesprochen werden muss…

Soviel zur Camping-Romantik (°_~)