Archiv für Januar 2007

Ein Stipendium bekommen, ist nicht schwer…

Januar 26, 2007

Es hat tatsächlich geklappt!! *yay* Ich gehe im September nach Osaka!!! *whoohoooo*

Gut eine Woche mussten wir nach der Abgabe der Bewerbungsunterlagen warten, ob wir zum Auswahlgespräch eingeladen werden oder nicht. Jeden Tag wurden die Kommilitonen gefragt, ob einer schon eine Nachricht bekommen hätte und schnell war klar, dass die Auswahl für die Dozenten dieses Mal sehr schwer werden würde. Es hatten sich nämlich fast 30 Studenten um ein Stipendium beworben, wovon der Großteil aus dem 3. Semester kam, was recht ungewöhnlich ist. Normalerweise sollte man hier erst die Zwischenprüfung geschafft haben, um sich zu bewerben, aber in Ausnahmefällen wurden auch 3.-Semester für ein Stipendium ausgewählt. Doch das war bisher eher selten und nun eben so viele 3.-Semester-Bewerbungen…

Am 23.01. traf ich zufällig meinen Dozenten in der Tram-Bahn, der mich auch sogleich auf meine Bewerbung ansprach und mir bedeutete, dass sie wohl ganz gut angekommen wäre. Ich meinte darauf, dass ich ja immer noch keine Antwort bekommen hätte, doch mein Dozent riet mir, ich solle mir nicht zu viele Gedanken machen… Und dann am Abend war es endlich so weit: In meinem Postfach eine E-Mail von meinem Japanisch-Lehrer, die mich zum Auswahlgespräch am 25.01. um 14:40 Uhr bestellte! Ich war also eine Runde weiter.

Das Problem war nur, dass ich in der Zeit des Auswahlgespräches eigentlich Japanisch-Unterricht bei unserem zweiten Japanisch-Lehrer hatte, was nicht weiter problematisch gewesen wäre, wenn ich nicht auch gerade an diesem Tag ein Referat zu halten gehabt hätte… So konnte ich den Unterricht nicht einfach ausfallen lassen und konnte nur vorher dem Japanisch-Lehrer bescheid sagen, dass ich zwischendurch raus müsste. Gleichzeitig hoffte ich, dass ich noch vorher schnell meinen Teil des Referates vortragen könnte und dann den Rest meinen Mitreferenten überlassen würde. Es war zwar sehr knapp, aber genau um 14:35 Uhr war ich mit meinem Teil fertig und konnte sofort zum Auswahlgespräch gehen.

Ich war schon den ganzen Tag furchtbar aufgeregt, wegen des Gesprächs, konnte gar nichts essen und das Referat nur mit zitternder Stimme vorlesen… Und jetzt saß ich umzingelt von sieben Dozenten und dem Herren vom Amt für Internationale Angelegenheiten der LMU im Stuhlkreis und war ihren Fragen ausgeliefert. Glücklicherweise konnte ich meine Stimme soweit stabilisieren, dass ich einigermaßen stotterfrei antworten konnte, doch viel musste ich gar nicht sagen.

Als erstes musste ich erklären, wie ich auf mein Forschungsvorhaben gekommen bin, was ja nicht schwer war.

Dann fragte mich der Dozent, den ich in der Tram getroffen hatte, ob ich auch mein Nebenfach VWL in mein Forschungsvorhaben miteinbeziehen wollte. Ich konnte ihm antworten, dass der wirtschaftliche Aspekt sicher eine Rolle beim Thema Sterbehilfe spielt, da ich erst am Morgen gelesen hatte, dass Japan in Zukunft ein ziemliches Demographie-Problem bekommen würde. Das heißt, dass Japan sich dringend Gedanken um die Alten- und Palliativpflege machen muss, da die Bevölkerung immer älter wird. Die volkswirtschaftlichen Probleme, die sich daraus ergeben, wollte ich aber zunächst aus meinem Forschungsvorhaben ausklammern. Nach dieser Antwort meinte mein Dozent nur noch grinsend, ich wüsste ja, dass er mich nur testen wollte. *g*

Als nächstes wollte eine Dozentin wissen, wie ich denn bei meinem Vorhaben vorgehen wollte und ob ich mir dafür ausreichende Japanisch-Kenntnisse zutraute. Natüüüürlich!! (Was anderes darf man darauf ja auch nicht sagen…) Außerdem gäbe es ja die Möglichkeit, Fragebögen vorher anzufertigen, anhand derer ich dann Interviews führen könnte und was mir an Fachvokabular noch fehlt, könnte ich ja lernen. Mit den erwähnten Fragebögen landete ich einen Volltreffer, denn damit bekam ich von ihr noch einen Tipp, den sie selbst erst von dem Kommilitonen, der vor mir im Auswahlgespräch war, erfahren hatte. Anscheinend gibt es eine „Testothek“, die Vorlagen für Fragebögen liefert und die ich ja auch nutzen könnte.

Damit waren die Fragen an mich, außer der Nachfrage, für welche Unis ich mich denn beworben hätte, auch schon erschöpft und ich durfte nach nur fünf Minuten schon wieder gehen. Das Gespräch lief also sehr gut und hinterließ ein gutes Gefühl bei mir, doch jetzt hieß es wieder abwarten…

Die Antwort kam dann gleich am nächsten Tag, womit ich nie gerechnet hätte, vor allem, nachdem unser Dozent uns später in der Tram noch sagte, das wir alle eine starke Show geliefert hätten und die Wahl wirklich schwierig wäre. Doch ich wurde für das Austauschprogramm OUSSEP der Osaka Daigaku ausgewählt, womit für mich wirklich ein Traum wahr wurde, da ich immer nach Osaka wollte. Allerdings war die Bewerbung damit noch nicht abgeschlossen, denn bis jetzt hatte ich nur das Auswahlverfahren des Japan-Zentrums überstanden…

Das Stipendium – Wie alles begann…

Januar 16, 2007

Gleich zu Jahresbeginn war es so weit: Endlich wollte ich mich um ein Stipendium für Japan bewerben. Abgabetermin für die Unterlagen im Japan-Zentrum der LMU war der 15. Januar und so begann ich, mein Forschungsvorhaben zu formulieren, was doch mehr Zeit in Anspruch nahm, als ich gedacht hatte…

Zunächst mussten noch Informationen gesammelt werden, damit ich mein Vorhaben gut begründen konnte und das bedeutete erst einmal viel lesen. Zum Glück wusste ich schon seit einiger Zeit, worüber ich forschen wollte. Da ich im Sommersemester 2006 ein Proseminar namens „Die Macht der Toten – Erinnern und Gedenken in Japan“ besucht hatte, das sich mit dem Umgang mit Tod und Sterben in Japan beschäftigte, habe ich schon einiges über Hirntod und Organspende in Japan gelesen und bin von diesen Themen aus auf das Thema Sterbehilfe in Japan gekommen. Dies wird zwar in Japan schon lange diskutiert, doch hier hat man von dieser Diskussion noch nicht viel mitgekriegt. Es handelt sich also um ein relativ unerforschtes Gebiet, das mich stark interessiert, denn ethische Fragen, vor allem in der Medizin, finde ich super spannend. So habe ich schon vor einigen Monaten beschlossen, mich mit Sterbehilfe in Japan zu beschäftigen, was vielleicht auch einmal zu einer Magisterarbeit werden könnte.

Aber nun musste, wie gesagt, erstmal ein Forschungsvorhaben daraus werden. Genügend Material hatte ich schon gesammelt und das musste „nur noch“ gelesen werden, was sich natürlich als zeitaufwändiger herausstellte, als ich dachte. Vor allem das Bioethics Cyber Laboratory der Waseda University war sehr hilfreich für mich, da es viele Texte des dortigen Professor Kimura online bereit stellt (manche sogar auf Deutsch). Das Schreiben des Forschungsvorhabens war so auch kein Problem und ich wäre sogar ein paar Tage vor der Abgabefrist fertig gewesen, wenn ich es nicht einer Freundin zum Drüberlesen gegeben hätte, die natürlich prompt noch ein paar Dinge daran auszusetzen hatte. Das Ändern nahm dann noch soviel Zeit in Anspruch, dass ich die Unterlagen erst extakt am 15. Januar abgeben konnte, aber das war ja auch in Ordnung.

Und dann begann das Warten…